Lehm finden in Österreich
Drei digitale Werkzeuge helfen dabei, Lehmvorkommen aufzuspüren — und zeigen, dass brauchbarer Baulehm fast überall unter unseren Füßen liegt.
Wer mit Lehm bauen will, steht vor einer Grundsatzfrage: Woher kommt das Material? Die Antwort ist einfacher als gedacht — und beginnt oft direkt auf der eigenen Baustelle.
Österreich liegt geologisch in einer privilegierten Position. Das Inneralpine Becken, das Weinviertel, das Burgenland und die Steiermark weisen allesamt tonreiche Böden auf. Im Weinviertel finden sich lösshaltige Lehme, die sich für Massivbautechniken wie g'satztes Mauerwerk eignen. Im Burgenland dominieren Holz-Lehm-Hybridbauweisen mit mageren Lehmen. Die Molassezone entlang der Alpen liefert Schwemmlehme und Geschiebelehme.
Drei digitale Werkzeuge machen diese Vorkommen heute für jeden zugänglich.
1. eBod — Die digitale Bodenkarte
Die wohl hilfreichste Informationsquelle für die Nutzung von Aushub ist die digitale Bodenkarte eBod von Naturland Niederösterreich. Die Karte wurde für landwirtschaftliche Zwecke erstellt, liefert aber auch für den Lehmbau wertvolle Hinweise.
Die Bodenkarte analysiert Bodenarten anhand der Korngrößenzusammensetzung und bewertet sie nach Anteilen von Sand, Schluff und Ton. Zur Auswertung wird das Österreichische Bodendreieck der ÖNORM L 1050 herangezogen, das 13 verschiedene Klassen nach dem Mischverhältnis der drei Komponenten unterscheidet.
Besonders praktisch: Bei Vergrößerung der Karte werden Zonen genauer definiert. Man erhält Einsicht in die Korngrößenverteilung (<0,002 mm | 0,002–0,06 mm | 0,06–2 mm) sowie Beschreibungen der Bodenbeschaffenheit bis zu 2 Meter Tiefe — genau der Bereich, der für Lehmbau relevant ist.
Tipp: Suchen Sie nach Böden der Klassen „Lehm", „schluffiger Lehm" oder „lehmiger Ton". Diese eignen sich am besten als Ausgangsmaterial für Lehmbaustoffe.
2. Tonvorkommen-Karte der Geologischen Bundesanstalt
Die Geologische Bundesanstalt (jetzt GeoSphere Austria) betreibt ein Tonarchiv mit ungefähr 2.500 Einträgen zu Tonvorkommen in Österreich. Darin sind aktive sowie ehemalige Ton- und Lehmgruben dokumentiert.
Aktuell gibt es in Österreich etwa 40 aktive Tongruben, die den Rohstoff für die Ziegelproduktion, Feinkeramik und feuerfeste Werkstoffe liefern — sie fördern jährlich über 2 Millionen Tonnen Ton. Bei einigen Einträgen liegen vertiefende Materialanalysen im Bereich Mineralogie und Geochemie vor.
Für Lehmbauer ist die Karte vor allem als Hinweis auf günstige geologische Zonen nützlich. Wo industrielle Tongruben wirtschaftlich arbeiten, liegt auch in der Umgebung brauchbares Material.
3. IRIS — Interaktives RohstoffInformationsSystem
Das Interaktive RohstoffInformationsSystem (IRIS) der GeoSphere Austria definiert Zonen mit Tonvorkommen und bietet punktuelle Probennahmen mit vertiefenden Informationen über das Bodenmaterial. Es ist das umfassendste digitale Werkzeug für die geologische Erkundung in Österreich.
IRIS verbindet geologische Übersichtskarten mit konkreten Analysedaten. Für jede Region lassen sich Bodenproben abrufen, die Aufschluss über die mineralogische Zusammensetzung geben — relevant für die Einschätzung, ob ein Lehm eher für Stampflehm, Lehmputz oder Lehmziegel geeignet ist.
Die Lehmarten Österreichs
Nicht jeder Lehm ist gleich. Die geologische Entstehung bestimmt die Eigenschaften des Materials:
- Berg- und Hanglehm: Entsteht durch Verwitterung von Granit, Gneis oder Syenit. Kantiges Kornbild, breite Korngrößenverteilung — ideal für Stampflehmtechnik.
- Geschiebelehm: Durch Gletscherbewegung entstanden, rundkörnig, oft kalkhaltig (Calciumcarbonat). Kann als Tonmergel für druckbelastete Bauteile geeignet sein.
- Schwemmlehm: Durch Wassertransport aufgeschlämmt, in Seen abgesunken. Weitgehend kalkfrei, feine Körnung.
- Lösslehm: Durch Sandstürme der Eiszeiten entstanden, homogenes Erscheinungsbild. Mager, nicht für statisch belastete Bauteile geeignet — aber hervorragend als Lehmputz.
- Verwitterungslehm: Liegt an der primären Lagerstätte, kantiges Kornbild — ebenfalls für Stampflehm geeignet.
„Es ist in den meisten Fällen eine Frage des Aufwandes für die Aufbereitung und nicht der generelle Einsatz.“
Vom Aushub zum Baustoff: Was zählt
Bevor Aushub als Baulehm verwendet werden kann, muss er geprüft werden. Drei Ausschlusskriterien sind entscheidend:
- Organische Bestandteile: Material aus dem A-Horizont (obere Bodenschicht mit Humus) ist ungeeignet. Die Entnahme sollte ab einer Tiefe von mindestens 0,5 Metern erfolgen.
- Salzgehalt: Zu hoher Salzgehalt kann zu Ausblühungen und Schäden führen.
- Kalkgehalt: Erhöhte Kalkanteile beeinflussen die Bindekraft und Verarbeitbarkeit — nicht immer negativ, aber es muss bekannt sein.
Die Aufbereitung kann auf natürlichem Weg erfolgen — durch Auswintern (Frost-Tau-Wechsel zerkleinert das Material) oder Aussommern (wechselfeuchtes Klima lockert die Tonminerale). Diese Methoden kosten keine Energie und benötigen nur Zeit und Fläche.
Der erste Schritt aber ist immer: Schauen, was unter den eigenen Füßen liegt. Die drei genannten Werkzeuge machen das heute einfacher als je zuvor.