Lehm. Von der Nische zum Standard.
Wissen sammeln, Vernetzung ermöglichen, den Diskurs anstoßen. Skills für Menschen und Maschinen, Projekte weltweit, und 8000 Jahre Geschichte.
Wien / Niederösterreich / Steiermark
Der Baustoff
Das Material kostet nichts.
Die Verarbeitung alles.
Lehm liegt unter unseren Füßen. Er reguliert Feuchtigkeit, speichert Wärme, ist feuerfest, schallhemmend und zu 100% kreislauffähig. Rund die Hälfte aller Gebäude weltweit sind Lehmbauten. Es ist kein Nischenprodukt, es war jahrtausendelang der globale Standard.
Aber Lehm braucht mehr Handarbeit als industrielle Bauweisen. Und weil das Material erst so spät wiederentdeckt wurde, hat der Maschinenbau enormen Nachholbedarf. Für Beton und Stahl gibt es längst eine durchoptimierte Industrie, für Lehm stehen wir am Anfang. Gleichzeitig besteuert unser System Arbeitsstunden hoch und Material kaum, was arbeitsintensive Bauweisen wie Lehm gegenüber materialintensiven wie Beton systematisch benachteiligt.
Beton hat seinen Platz, im Kellergeschoss, im Infrastrukturbau. Aber durch starke Lobby-Arbeit wird er flächendeckend im Wohnbau eingesetzt, auch dort wo Holz-Lehm-Hybridlösungen ein gesünderes Wohnklima, weniger Energieverbrauch und die Nutzung lokaler Ressourcen ermöglichen würden. Anstatt auf importiertes Gas für die Betonherstellung zu setzen.

„We cannot build homes for seven billion people in steel and concrete only. The materials should be local, the energy sources should be local, and with energy sources, I think of human labor.”
~50%
aller Gebäude weltweit sind Lehmbauten
0 kWh
Primärenergie pro m³ Lehm
100%
kreislauffähig, wird wieder zu Erde
Zwei Hebel
Gesellschaftlicher Wandel
oder technischer Durchbruch.
Am besten beides.
Lehm wird erst wieder Massenbaustoff wenn die Verarbeitung kein Hindernis mehr ist. Dafür gibt es zwei Wege:
Baukultur
Gesellschaftlicher Wandel
Wenn viele Menschen wissen wie man mit Lehm baut, durch Ausbildung, Workshops, gemeinschaftliches Bauen, und wenn ein Steuersystem das trägt statt bestraft, kann Lehm wieder Standard werden. So wie es historisch war: Lehmbau als Gemeinschaftsleistung, verankert in der Baukultur.
Maschinelle Verarbeitung
Technischer Durchbruch
Geeignete Maschinen und Robotik die den Lehmbau massentauglich machen. Lehm ist heute schon verarbeitbar und bezahlbar, aber noch nicht massentauglich. Weltweit arbeiten über 25 Projekte an Lösungen: von 3D-Druck über Roboterarme bis zu automatisierten Fabriken.
Die Zukunft
Maschinen die
Lehmbau skalieren.
Über 25 Projekte weltweit arbeiten bereits daran. Von 3D-Druck über Roboterarme bis zu automatisierten Fabriken. Der Maschinenbau im Lehmbau steht am Anfang, die Entwicklung beschleunigt sich.
Beide Wege brauchen dasselbe: strukturiertes Wissen darüber, wie Lehmbau funktioniert.


Der Beitrag
Dasselbe Wissen,
für Menschen und Maschinen.
Eine Skill-Beschreibung die einem Lehrling erklärt wie man Lehmputz aufträgt, kann auch einem Robotik-Ingenieur erklären welche Bewegungen, Kräfte und Qualitätskriterien nötig sind.
Deshalb bauen wir einen offenen Skill-Katalog: Material, Werkzeug, Ablauf, Qualitätskriterien, für jeden Lehmbau-Vorgang. Konkret genug für die Baustelle, technisch genug für die Forschung. Dazu: eine Übersicht aller Robotik-Projekte weltweit die heute schon mit Erde arbeiten, und eine Timeline von 8000 Jahren Lehmbau.

Wissen teilen. Diskurs anstoßen.
Wie kommt Lehm von der Nische
zurück zum Massenprodukt?
Alles Open Source. Weil die Bauwende zu groß ist für ein einzelnes Team.
Themenbereiche
Häufige Fragen
Alles über Lehmbau, Robotik
und den Weg zum Standard.
Lehm als Baustoff
Lehm ist ein natürlich vorkommendes Gemisch aus Ton, Sand und Schluff, das beim Verwittern von Gestein entsteht. Er ist weltweit verfügbar und braucht weder Brennen noch chemische Verarbeitung. Ton ist der bindende Bestandteil: Je höher der Tonanteil, desto fetter der Lehm. Sand und Kies geben Struktur. Das Mischungsverhältnis bestimmt den Einsatzzweck: Fetter Lehm eignet sich für Putze, magerer Lehm für Stampflehm.
Lehm reguliert die Raumfeuchtigkeit, speichert Wärme, ist schalldämmend, feuerfest und zu 100% kreislauffähig. Eine Lehmwand kann unbegrenzt oft wieder zu Lehm werden. Lehm braucht 0 kWh Primärenergie pro Kubikmeter (im Gegensatz zu Zement: ca. 1.600 MJ/t). Rund die Hälfte aller Gebäude weltweit sind Lehmbauten.
Das Material kostet fast nichts, lokaler Aushub kann direkt verwendet werden. Die Kosten liegen in der Verarbeitung: Lehmbau braucht mehr Arbeitsstunden als konventionelle Bauweisen, und der Maschinenbau hat Nachholbedarf. Gleichzeitig steigen die Preise für energieintensive Baustoffe, während Lehm preislich stabil bleibt. Durch bessere Maschinen und Vorfabrikation sinken die Verarbeitungskosten bereits.
Einmal getrocknet ist Lehm fest und dauerhaft, wie Millionen erhaltener Lehmgebäude weltweit beweisen, auch in regenreichen Klimazonen. Konstruktiver Schutz (Dachüberstand, Sockel, Außenputz aus Kalk) ist ausreichend. Martin Rauch hat seit 1982 über hundert Projekte ausschließlich ohne Zement-Stabilisierung realisiert.
Ja. Der Alnatura Campus in Darmstadt hat 8 Meter hohe tragende Stampflehmwände. Die ERDEN Werkhalle in Schlins hat einen dreigeschossigen Bürotrakt aus lasttragendem Stampflehm. In Österreich erforscht das FFG-Projekt "LehmKur" (2024–2027) Stampflehmwände für den mehrgeschossigen Wohnbau.
Robotik im Lehmbau
Ja, weltweit arbeiten über 30 Roboter und Maschinen mit Lehm. Von 3D-Druckern über Stampflehm-Fabriken bis zu autonomen Baurobotern. Die älteste laufende Anlage ist "Roberta" von Martin Rauch in Schlins (seit 2012), die weltweit erste Vorfabrikationsanlage für Stampflehm-Elemente.
Beim 3D-Druck mit Lehm wird eine erdbasierte Masse schichtweise durch eine Düse gedrückt und baut so Wände und komplexe Formen auf, ohne Schalung und ohne Zement. Das bekannteste Beispiel ist das TECLA-Haus in Italien (2021): in 200 Stunden aus 60 m³ lokaler Erde gedruckt, bei unter 6 kW Stromverbrauch.
Lehmbau-Skills sind strukturierte Beschreibungen eines Arbeitsablaufs: Material, Werkzeug, Ablauf, Qualitätskriterien. Eine Skill-Beschreibung die erklärt wie man Lehmputz aufträgt, enthält exakt die Informationen die ein Robotik-Ingenieur braucht: Welche Kraft, welche Bewegung, welche Schichtdicke, welche Oberflächenqualität.
Sanierung und Förderung
Ja. Lehmputz ist eines der besten Materialien für die Altbausanierung: Er reguliert Feuchtigkeit, vermeidet Schimmel, ist diffusionsoffen und mit historischen Baustoffen kompatibel. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist Lehmputz oft die einzige geeignete Lösung.
Der Sanierungsbonus 2026 fördert thermische Sanierungen (Gebäude > 15 Jahre) mit bis zu 20.000 € bei umfassender Sanierung nach klimaaktiv-Standard. Dazu kommen Landesförderungen in allen Bundesländern. Registrierung über sanierungsoffensive.gv.at.
Holzbau liefert das Tragwerk, Lehm die Masse. Holzkonstruktionen brauchen Masse für Schallschutz, Wärmespeicherung und Brandschutz, genau das liefert Lehm. Die Kombination aus Holztragwerk + Stroh als Dämmung + Lehmputz als Oberfläche ergibt ein vollständig kreislauffähiges Wandsystem.
Ausbildung und Netzwerke
Die wichtigste Ausbildung ist der Grundkurs Lehmbau des Netzwerk Lehm in Kooperation mit der BAUAkademie Niederösterreich. Kosten: 1.800 €, Abschluss mit Zertifikat. Weitere Möglichkeiten: TU Wien (Lehrveranstaltung unter Prof. Rieger-Jandl), Kunstuniversität Linz (BASEhabitat Master), und diverse Praxis-Workshops.
Das Netzwerk Lehm ist der österreichische Fachverband für Lehmbau mit den Bereichen Forschung, Ausbildung, Normenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit. Es organisiert den Grundkurs Lehmbau, vernetzt Fachleute, betreibt eine Wissensdatenbank und ist aktuell Partner in 8 FFG-geförderten Forschungsprojekten.
Die Young Earth Builders sind ein 2022 in Wien gegründeter Verein junger Lehmbau-Begeisterter. YEB organisiert Workshops, Vorträge und Exkursionen und setzt sich dafür ein, dass Lehmbau in der Architekturausbildung verankert wird.


