Jean Dethier
Architekt, Kurator und Pionier der Lehmbau-Popularisierung · Paris, Frankreich · * 1939

Foto: Fandepanda / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Jean Dethier, geboren 1939 in Belgien, studierte Architektur und Städtebau an der Ecole Nationale Supérieure des Arts Visuels de La Cambre in Brüssel. Von 1965 bis 1969 arbeitete er im marokkanischen Ministerium für Wohnungsbau und entdeckte dort die Technik des Stampflehms. Nach einem Aufenthalt an der Princeton University (1970) wurde er 1975 Architekt-Berater am Centre de Création Industrielle des Centre Pompidou in Paris, wo er bis 2005 tätig war. 1981 kuratierte er die wegweisende Ausstellung "Des Architectures de Terre" am Centre Pompidou, die über 16 Jahre weltweit tourte und rund drei Millionen Besucherinnen und Besucher erreichte. Er initiierte das Projekt Domaine de la Terre in Villefontaine (Isère), das 1985 als erstes städtisches Sozialwohnungsquartier Europas aus Stampflehm eingeweiht wurde. 2019 erschien sein enzyklopädisches Werk "Habiter la terre" bei Flammarion.
Besonderheit
Dethier ist derjenige, der die wissenschaftlich-handwerkliche Erkenntnis über Lehmbau in eine breite öffentliche Debatte übersetzt hat: Seine Centre-Pompidou-Ausstellung von 1981 war keine Fachveranstaltung, sondern ein kulturpolitischer Akt, der die Legitimität des Lehmbaus im europäischen Architekturdiskurs dauerhaft verankerte. Das Domaine de la Terre bewies parallel die Alltagstauglichkeit des Materials im sozialen Wohnungsbau.
Lebenslauf
- 1939: Geburt in Belgien
- Studium: Architektur und Städtebau an La Cambre, Brüssel
- 1965–1969: Architekt im marokkanischen Ministerium für Wohnungsbau (UN/UNESCO-Kooperation); Entdeckung des Stampflehm-Bauwesens
- 1970: Forschungsaufenthalt an der Princeton University, USA
- 1975–2005: Architekt-Berater am Centre de Création Industrielle, Centre Pompidou, Paris; Autor und Kurator von ca. 20 Architekturausstellungen
- 1981: Kurator der Ausstellung "Des Architectures de Terre ou l'avenir d'une tradition millénaire", Centre Pompidou (tourte 1981–1996 weltweit an über 24 Städten)
- 1981–1985: Initiator und Koordinator des Projekts Domaine de la Terre, Villefontaine (Isère) — 65 Sozialwohnungen aus Pisé, Kooperation mit CRAterre
- 1985: Einweihung des Domaine de la Terre als erstes städtisches Sozialwohnungsquartier Europas aus Stampflehm
- 1987: Verleihung des Grand Prix d'Architecture (Frankreich)
- 2016: Jurymitglied beim internationalen Terra Award für zeitgenössische Lehm-Bauten
- 2019: Publikation "Habiter la terre. L'art de bâtir en terre crue: traditions, modernité et avenir", Flammarion
Verbunden mit
- Des Architectures de Terre (1981) — Konzept, Kuratierung und Katalogtexte der Ausstellung am Centre Pompidou
- Domaine de la Terre, Villefontaine (1985) — Initiator und Koordinator; erstes europäisches Sozialwohnungsquartier aus Pisé
- Habiter la terre (Flammarion, 2019) — Herausgeber und Hauptautor des 512-seitigen Standardwerks zur Lehmbaukunst
- Centre de Création Industrielle, Centre Pompidou — 30-jährige Tätigkeit als Architekt-Berater und Ausstellungskurator (1975–2005)
Akteurs-Typ
Quellen
- • Koordinate: Langjährige berufliche Basis am Centre Pompidou, Paris; Privatadresse Paris 75010 laut öffentlichen Quellen
- • https://topophile.net/auteur_autrice/jean-dethier/
- • https://cataloguedesexpositions.centrepompidou.fr/Des_architectures_de_terre
- • https://editions.flammarion.com/habiter-la-terre/9782081442818
- • https://www.thamesandhudson.com/blogs/authors/jean-dethier
- • http://omarkitektur.blogspot.com/2012/05/architecture-at-pompidou-jean-dethier.html
- • https://caue-isere.org/les-operations/villefontaine-le-domaine-de-la-terre
- • https://www.archiurbain.be/?p=15039