Bindekraft — die zentrale Materialeigenschaft
Bindekraft ist die Kennzahl, an der Lehmbau seit über hundert Jahren die Eignung eines Aushubs misst. Sie sagt, wie stark der Ton den Sand, den Schluff und die Faser zusammenhält — und entscheidet, ob aus einem Aushub ein Stampflehm, ein Putz oder ein Dämmaterial wird.
Eine kleine Acht erzählt die ganze Geschichte
Die nach Niemeyer gießt eine Acht aus Lehmschlamm, lässt sie trocknen, und zieht sie anschließend an beiden Enden auseinander. Die Kraft, bei der die Mitte reisst, ist die Bindekraft — direkt vergleichbar zwischen Aushüben aus völlig verschiedenen Regionen.
Die Werte reichen von etwa 30 g/cm² (sandiger, magerer Lehm) bis über 500 g/cm² (smektitreicher, sehr fetter Tonlehm). Daraus ergeben sich vier Praxisklassen — gering, mittel, hoch, sehr hoch — die jede Lehm-Anwendung anders gewichtet.
Bindekraft korreliert direkt mit dem und der der Tonfraktion. Ein Lehm mit IP > 25 und KAK > 30 bringt fast sicher Bindekraft im hohen Bereich.