Versickerungsnachweis fürs Einreichprojekt: kostenlos berechnen
Wohin mit dem Regenwasser? Für Österreich und Deutschland rechnet das Lehmhub-Werkzeug Sickermulde, Schacht, Rigole und Rückhaltebecken parallel, mit amtlichen Regendaten und einem PDF-Bericht, der in die Einreichung passt.
Jedes Bauprojekt muss eine Frage beantworten, die mit dem Gebäude selbst wenig zu tun hat: Wohin mit dem Regenwasser? Der Kanal ist vielerorts keine Option mehr, und rechtlich ist die Richtung klar. In Deutschland formuliert § 55 Abs. 2 WHG den Grundsatz, dass Niederschlagswasser ortsnah versickert, verrieselt oder getrennt vom Schmutzwasser eingeleitet werden soll. In Österreich verlangen die Bundesländer im Einreichverfahren ein Konzept zur Entwässerung des Grundstücks, die Behördenpraxis folgt dem ÖWAV-Regelblatt 45. Und die Schweiz gibt der Versickerung in Art. 7 des Gewässerschutzgesetzes ausdrücklich den Vorrang.
Wer versickern will, braucht einen Nachweis: Welches Verfahren passt auf dieses Grundstück, wie groß muss die Anlage sein, und läuft sie nach dem Regen rechtzeitig wieder leer? Genau das rechnet das Versickerungs-Werkzeug: kostenlos, im Browser, ohne Anmeldung.
Vier Verfahren, ein Ergebnis
Das Werkzeug bemisst vier Verfahren parallel und zeigt nebeneinander, was auf dem Grundstück funktioniert:
- Sickermulde: die flache, bewachsene Senke im Garten. Reinigt über den Oberboden und ist fast überall das bevorzugte Verfahren.
- Sickerschacht: wenn die Fläche fehlt. Braucht Filterschicht und Wartung.
- Rigole: der unterirdische Kiesspeicher unter Pflaster oder Rasen.
- Regenrückhaltebecken: wenn der Boden nicht mitspielt, Rückhalt mit gedrosselter Ableitung.
Standort setzen, Dach- und Hofflächen eintragen, Boden wählen. Den Rest holt sich das Werkzeug selbst: in Österreich die Bemessungsregen vom ehyd-Gitterpunkt und die Bodendaten aus der HÖK500, in Deutschland das amtliche Starkregen-Raster KOSTRA-DWD-2020 des Deutschen Wetterdienstes und die Durchlässigkeitsklasse aus der HÜK250 der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Am Ende steht ein vierseitiger Bemessungsbericht als PDF: Eingaben, Formeln mit eingesetzten Werten, Dauerstufen-Tabelle, Nachweise, geprüfte Alternativen und Quellenverzeichnis, prüffähig dokumentiert für Fachplanung und Behördengespräch.
Neu: Deutschland
Die Deutschland-Version rechnet nach der Methodik des DWA-Arbeitsblatts A 138 (2005), belegt aus frei zugänglichen Behörden-Leitfäden; die Aktualisierung auf die DWA-A 138-1 (2024) ist in Vorbereitung und wird im Bericht ausgewiesen.
Dazu kommt eine Erlaubnis-Ampel für alle 16 Bundesländer. Ob Versickerung erlaubnisfrei ist, regelt jedes Land selbst: Bayern stellt bis 1.000 m² befestigte Fläche frei, Brandenburg bis 800 m², Schleswig-Holstein je nach Anlagentyp bis 300 oder 1.000 m², und Hessen behandelt Versickerung in der Regel als erlaubnispflichtig. Die Ampel ordnet den konkreten Fall ein, nennt Rechtsgrundlage und zuständige Behörde und sagt ehrlich dazu: Das ist eine vorläufige Ersteinschätzung, keine Rechtsauskunft. Verbindlich antwortet nur die untere Wasserbehörde.
Schweiz: Teilversion
Für die Schweiz gibt es das Werkzeug als Teilversion. Die Hydraulik rechnet vollständig, die Bodenkarte des Bundesamts für Landwirtschaft liefert eine erste Einschätzung der Wasserdurchlässigkeit, aber die Bemessungsregen müssen noch von Hand aus kantonalen Quellen eingetragen werden. MeteoSchweiz hat die Starkregen-Statistik als Open-Data-Punktabfrage für Ende 2026 angekündigt; sobald sie verfügbar ist, wird die Schweiz-Version voll funktionsfähig, inklusive PDF-Bericht.
Was das Werkzeug nicht ersetzt
Ein ehrliches Wort zum Schluss. Das Werkzeug ersetzt keinen Sickerversuch: Bodendaten aus Karten sind Gebietsorientierungen, den tatsächlichen Durchlässigkeitsbeiwert kennt nur ein Versuch auf dem Grundstück. Es ersetzt keine Fachplanung: Der Bericht dokumentiert eine Bemessung nach Regelwerks-Methodik, die Verantwortung für Eingangswerte und Anwendung bleibt beim Ersteller. Und es ersetzt keine Behörde: Ob eine Anlage bewilligungs- oder erlaubnispflichtig ist, entscheidet im Zweifel die Wasserrechtsbehörde. Die Ampeln im Werkzeug zeigen, welche Fragen man ihr stellen sollte.
Wofür es gut ist: in einer halben Stunde wissen, ob Versickerung auf dem Grundstück realistisch ist, welches Verfahren passt und wie groß es wird, bevor die Fachplanung beauftragt ist. Das spart Schleifen im Einreichprojekt und macht das Regenwasser vom Problem zum Planungsthema.